Die Highland Clearances

Die Highland Clearances beschreiben einen durch Engländer initiierten Exodus der typischen Landbevölkerung und Kleinbauern der schottischen Highlands vom späten 18. bis Ende des 19. Jahrhunderts.

Hintergrund

Der Boden in den Highlands war nicht ideal für die Landwirtschaft, eignete sich aber für hervorragend für die Viehzucht. Während in Europa die Industrialisierung Einzug hielt, stiegen durch neue und effiziente Produktionsmethoden Bedarf und dadurch auch die Preise für Wolle. Angesichts dessen nahm vor allem die Schafzucht in den Highlands zu, doch die die ansässigen Kleinbauern konnten mit diesen Erträgen nicht mithalten.

Die Clearances

Zunächst sei gesagt, daß zu Beginn von 'Removals' (Umzüge) gesprochen wurde. Erst ab dem 19. Jahrhundert wurde von 'Clearances' (Räumungen) gesprochen. Die Crofters, jene Kleinbauern ohne eigenes Land, hatten es nicht leicht.
Nachdem das Clan-System durch den 'Act of Proscription' zerfiel, wurden viele Clan-Chiefs Gutsherren und legten die Verantwortung ihren Clan-Mitgliedern gegenüber ab. Sie sahen die bisherige Landwirtschaft zur Eigenversorgung als überholt an und begannen zusammen mit zugezogenen englischen Gutsherren die Bevölkerung umzusiedeln. Dadurch wurde das Land frei für die Viehzüchter und letzte verbliebene Bauern wurden, teilweise mit Gewalt, an die Küstenregionen, nach Nordamerika und Australien vertrieben.

Aus Protest trieben bereits 1792 Crofter aus Strathrusdale ca. 6.000 Schafe von den Ländereien. Dieser 'Ross-shire Sheep' Riot (Ross-shire Schaf Aufstand) beschäftigte auch die Regierung und Staatssekretär Henry Dundas mobilisierte das Black Watch-Regiment um weitere Aktionen zu verhindern und die Rädelsführer zu verurteilen. Zwar wurden diese verhaftet, aber ihnen gelang die Flucht und verschwanden spurlos.
Die "Räumungen" waren zwar legal, galten aber schon damals als illegitim. Dennoch gab es wenig Gegenwehr und die gälisch sprechenden Highlander wurden sogar verachtend als "minderwertige Rasse" bezeichnet.

Folgen

Der Boden, auf den die Bevölkerung umgesiedelt wurde und die Wetterbedingungen waren für Landwirtschaft nicht sehr geeignet. Durch Missernten und ein gleichzeitiges starkes Bevölkerungswachstum kam es Mitte des 19. Jahrhunderts zu Hungersnöten. Viele Gutsbesitzer gingen in Folge Bankrott, da sie zur Versorgung der verarmten Bevölkerung verpflichtet waren. Gegen Ende der Räumungen war das bisherige Clanwesen zerstört und die gälischen Wurzeln, sowie die Sprache verschwanden.

Heute gibt es nur noch ca. 1-2% der ursprünglichen, gälisch sprechenden Bevölkerung. Doch auch hier zeigt sich die Standhaftigkeit der Schotten. Die Nachkommen der damals Vertriebenen suchten nach ihren Wurzeln, wodurch typische Symbole wie Kilt, Tartan und Dudelsack wieder verstärkt Einzug im Alltag hielten. Auch die gälische Sprache wird allmählich wieder in Schulen unterrichtet und kehrt in den normalen Sprachgebrauch zurück.