Robert I.

(schottisch-gälisch: Roibert a Briuis, normannisch-französisch: Robert de Brus)

Über Kindheit und Jugend von Robert I., im modernen Englisch Robert Bruce und Robert the Bruce, ist wenig bekannt außer, daß er am 11. Juli 1274 (Datum gilt als gesichert) geboren wurde und eine Zeit lang am englischen Hof Eduards I. gelebt haben soll. Ebenso soll er ein Abkömmling des norwegischen Jarl Lodver gewesen sein, so dass auch Wikingerblut in ihm floss.
Er gehörte neben seinem Vorgänger John Balliol zu den zwei erfolgversprechenden Anwärtern auf den schottischen Thron, unter denen der englische König Eduard I. in seiner Funktion als Schiedsrichter wählte und schwor ihm ebenfalls die Treue. Dass die Wahl auf Balliol fiel, empfand er als ungerecht, da so ihm und seiner Familie das rechtmäßige Erbe verwehrt blieb.

1295 heiratete er Isabella of Mar, welche kurz nach der Geburt von Tochter Marjorie starb.

Zeit der Unabhängigkeitskriege

Selbst unter König Balliol, blieb Robert ein Vasall des englischen Königs und diesem treu ergeben.
Das änderte sich als er 1297 von Eduard I. den Auftrag bekam, den schottischen Soldaten William 'Le Hardi' Douglas zu fassen und ihn und dessen Familie den Engländern zu übergeben. Er fühlte sich eher dem Guardian William Wallace verbunden, brachte die Familie Douglas zusammen, schloss sich dem Wiederstand an und verwüstete das Land derer die Eduard treu ergeben waren.
Zusammen mit schottischen Adeligen, stellte er anschließend ein Heer auf. Zu einer Schlacht kam es jedoch nicht. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich am 7. Juli 1297 auf eine Kapitulation, die als 'schmachvolle Kapitulation von Irvine' in die Geschichte einging. Nach einem erneuten Treueschwur in Verbindung mit der Kapitulation, wurden den Schotten ihre Gewalttaten verziehen, wodurch Robert seine Titel und Ländereien retten konnte. Kurz nach der 'Schlacht von Stirling Bridge' im September 1297 schloss sich Robert wieder seinen Landsleuten an und verwüstete Annandale und zerstörte die von den Engländern gehaltene Burg bei Ayr.
Nach der siegreichen Rückkehr Eduards von der 'Schlacht von Falkirk' entzog er Robert die Herrschaftsrechte, gab ihm aber die Chance seine Loyalität zu beweisen.

Als William Wallace von seinem Amt als Guardian of Scotland zurück trat, wurde Robert und seine Kontrahent John 'the Red' Comyn in dieses Amt erhoben. Da Comyn ein Verwandter Balliols war kam es immer wieder zu Streitigkeiten, so daß Robert sich zwei Jahre später als Guardian zurück zog und Comyn ein Jahr darauf.
1302 unterwarfen sich Robert und andere Adelige erneut dem englischen König. Im selben Jahr heiratete er seine zweite Frau, Elizabeth de Burgh -die Tochter des Earls of Ulster- mit der er vier Kinder hatte.

Krönung und Rückeroberung Schottlands

Ab 1304 trat Robert im geheimen wieder für Schottland in Erscheinung und schloss im Juli mit William de Lamberton eine Allianz. 1305 hielt sich Robert vermutlich in London auf und war Zeuge Hinrichtung William Wallace.
Da Eduard Robert nicht traute und vermutete, er würde eine Verschwörung organisieren, befahl er ihm das Kommando über Kildrummy Castle abzugeben. Zur gleichen Zeit wurde der Pakt den Robert mit William de Lamberton geschlossen hatte verraten. Robert einigte sich daraufhin mit Comyn, sich gegenseitig beim Thronanspruch zu unterstützen und dafür die Ländereien des jeweils anderen zu erhalten. Vermutlich um Robert zu schaden, verriet Comyn jedoch die Verschwörung und Robert floh nach Schottland.

Im Februar 1306 traf Robert in Dumfries ein, wo sich auch Comyn aufhielt.
Bei einem privaten Gespräch in der Greyfriar´s Church, in dem sie den Zwist beilegen wollten, gerieten sie so in Streit, daß Robert mit einem Dolch auf Comyn einstach, ihn aber nicht tötete. Als Robert aus Angst floh, betrat sein Begleiter Roger Kirkpatrick die Kirche und tötete Comyn. Angeblich rief dieser noch Ah´ll mak siccer (Ich bringe es zu Ende) bevor er hinein stürmte.
Für diesen Mord auf heiligen Boden drohte Robert die Exkommunikation, wodurch er nicht mehr König werden könnte. So hatte er drei Wochen Zeit -so lang hätte die Benachrichtigung des Papstes und dessen Antwort gebraucht- die nächsten Schritte einzuleiten. Um nicht alles zu verlieren, eilte er nach Scone um sich krönen zu lassen.
Da alles schnell gehen musste ließ er sich im März ohne die Reichsinsignien zum König krönen, darunter auch der Stein von Scone -Eduard hatte ihn nach England schaffen lassen- und die Krone. Als Krone wurde ihm daher ein goldener Reif aufs Haupt gesetzt.
Eigentlich hätte die Krönung durch den Earl of Fife durchgeführt werden sollen, doch der minderjährige Erbe des Hauses verweilte zu der Zeit am englischen Hof. Stattdessen stahl dessen Schwester Isobel MacDuff, die Pferde ihres Mannes und ritt bei einer Nacht- und Nebel-Aktion nach Scone um das Recht ihrer Familie wahr zu nehmen, kam aber zu spät und die Krönung war bereits vollzogen. Ihre Geste war jedoch so Bedeutsam, daß die Zeremonie wiederholt wurde und Robert Bruce der einzige König wurde, der zweimal gekrönt wurde. Isobel MacDuff konnte nun nicht mehr zu ihrer Familie zurück und blieb am Hofstaat des neuen Königs.
Auch wenn Robert nun König war, hatte er noch kein Königreich, da ihm viele Angehörige des Adels, wegen seiner früheren Beziehung zu Eduard misstrauten. Versuche in den folgenden Jahren, das Land zurück zu erobern wurden Fehlschläge, so das Robert die meiste Zeit auf der Flucht vor Eduard und seinen Truppen war.

Nach einer Legende soll sich Robert einmal in einer Höhle versteckt haben.
Dort beobachtete er eine Spinne, wie sie immer wieder versuchte ein Netz spinnen. Die Spinne gab jedoch nicht auf, und es gelang ihr letztendlich ihr Netz zu bauen. Dies soll Robert inspiriert haben seinen Kampf nicht aufzugeben.

Die Geschichte -die sich angeblich zuerst auf James Douglas bezog- soll allerdings erst viel später von Sir Walter Scott mit Robert I. in Verbindung gebracht worden sein.
Wie auch immer. Robert gelang es schließlich sich stärker in Schottland durchzusetzen und Unterstützer zu finden. Erst recht, als nach dem Tod Eduards I. im Juli 1307 dessen -militärisch ungeschickter- Sohn Eduard II. übernahm.

In den folgenden Jahren konnte Robert -der sich das Kommando über die Truppen mit seinem Bruder Edward teilte, immer mehr Schlachten für sich erzielen.
Im Mai 1309 berief er in St. Andrews seine erste Parlamentssitzung ein und 1310 wurde er -inzwischen exkommuniziert- vom schottischen Klerus anerkannt. Dass er trotz der Exkommunikation die Unterstützung der lokalen Kirchenoberhäupter hatte, war von großer Bedeutung und wahrscheinlich auf den Einfluss seines Freundes Lamberton zurückzuführen. In den folgenden drei Jahren konnte Robert etliche englische Burgen und Außenposten besiegen und auch die letzte von den Engländern gehaltenen Burg fiel im Juni 1314 -trotz scheinbar überlegenen Heer- bei der 'Schlacht von Bannockburn' den Schotten in die Hände.
Der unerwartete Sieg sicherte Robert die vollständige Akzeptanz und nach weiteren Überfällen und Raubzügen auf englische Stellungen sah sich Eduard II. zu einem Waffenstillstand gezwungen.

Feldzug nach Irland

Ermutigt von den militärischen Erfolgen, wurde Mai 1315 eine Invasion Irlands gestartet, um es angeblich von der englischen Herrschaft zu befreien. Roberts Bruder Edward wurde schließlich Mai 1316 zum irischen Hochkönig gekrönt und bat Robert im Herbst um Unterstützung durch ihn persönlich und weiterer Truppen. Im Mai 1317 kehrte Robert nach Schottland zurück.
Der Einfluss Roberts wuchs durch seine Erfolge, so daß die bedeutenden Adeligen 1320 in der 'Deklaration von Arborath' den Papst darum baten Robert den Segen zu geben. Gleichzeitig machten sie Robert klar, daß auch er nicht tun könne was er wolle. So heißt es in dieser Erklärung:

"Doch Robert selbst, sollte er sich von dieser Aufgabe, die er begonnen hat, abwenden und sich einverstanden erklären, dass wir oder unser Reich dem englischen König oder seinem Volk unterworfen würden, würden wir ihn als unser aller Feind ausstoßen, als einen, der unsere und seine Rechte untergraben hat, und würden einen anderen König wählen, damit er unsere Freiheit verteidigt; denn so lange, als nur Hundert von uns noch überleben, werden wir uns in keiner Weise englischer Herrschaft beugen. Denn wir kämpfen weder für Ruhm, noch für Wohlstand, noch für Ehre; sondern wir kämpfen allein für die Freiheit, die kein rechtschaffener Mann aufgibt – außer mit seinem Leben."


Drei Jahre später erkannte Papst Johannes XXII. Robert als König an. Selbst dieser Vermittlungsversuch brachte keinen Frieden und die Überfälle gingen weiter.
Erst unter Eduard III. wurde mit dem 'Abkommen von Edinburgh und Northampton' ein Friedensvertrag geschlossen, in dem die englische Krone, Robert als König Schottlands anerkannte und Schottland als unabhängiges Königreich -mit den Grenzen, die unter Alexander III. festgelegt wurden, bestätigt wurde.
Nach einem erneuten Feldzug nach Irland zog sich der alternde und kranke Robert auf seine Burg bei Cardross on the Clyde zurück. Am 7. Juni 1329 starb Robert the Bruce nach langer -laut zeitgenössischer Berichte "unsauberen"- Krankheit und wurde in der Dunfermline Abbey beigesetzt.

 

Gemäß seines letzten Willens wurde zuvor sein Herz entnommen, um sein Gelöbnis gegenüber der Kirche zu erfüllen, sie auf einem Kreuzzug nach Jerusalem zu begleiten. Doch eine derartige "Leichenschändung" wahr seit dem Jahr 1229 unter Androhung der Exkommunikation und Verwehrung eines christlichen Begräbnisses aller Beteiligten verboten. Erst 1331 wurden die Beteiligten auf Bitten Sir Thomas Randolph von ihren Sünden losgesprochen.

Sir James Douglas verwahrte das Herz in einer silbernen Schatulle und machte sich mit schottischen Rittern auf den Weg ins Heilige Land. In Spanien wurde Douglas im Kampf gegen Sarazenen getötet. Noch vor dem Kampf soll er das Kästchen dem Feind entgegen geschleudert und gerufen haben "Führe uns an, wie du es oft getan hast, und ich will dir folgen oder sterben".
Das Herz wurde später auf dem Schlachtfeld gefunden und nach Schottland zurück gebracht, wo es unter dem Hochaltar der Melrose Abbey begraben wurde.

Lange Zeit ging man davon aus, daß Robert the Bruce an Lepra litt.
Neuere Untersuchungen an seinem Skelett und Schädel weisen aber Anzeichen einer Infektion mit Syphilis auf.

Auszüge aus der Zeit finden sich in dem 1995 erschienenen Film 'Braveheart'.
Ausgelöst durch die "Hysterie" des Films erschien 1996 der Film 'The Bruce' der die Lebensgeschichte von Robert I. und Bannockburn erzählt.