John Balliol

Nachdem die junge Margarete auf dem Weg zu ihrer Krönung starb, war Schottland führerlos und unter den 13 Anwärtern auf den schottischen Thron entbrannte Streit.
Wieder wurde Englands König Eduard I. zum Schiedsrichter berufen.
Nachdem er sich von den Anwärtern als obersten Herrscher anerkennen und sich vom restlichen Adel die Treue schwören lies, entschied sich Eduard unter den beiden erfolgsversprechenden Anwärter Robert Bruce und John Balliol für letzteren, da er vermutete, in ihm einen willigen Verbündeten zu haben.
Nach Balliols Krönung in Scone schwor dieser dem englischen König nochmals die Treue.

Eduard I. nahm immer wieder Einfluss auf die Regierungsgeschäfte.
Schottische Bürger konnten sich bei ihm über ihren König beschweren und Balliol wurde des öfter nach London zitiert, um befragt und gedemütigt zu werden, oder um neue Forderungen zu erhalten. Als König Eduard den schottischen König Balliol aufforderte ihn im Kampf gegen Frankreich zu unterstützen, hatte seine Geduld ein Ende. Er verweigerte sich dem englischen König und berief sich auf die 'Auld Alliance' von William I. Daraufhin maschierte Eduard in Schottland ein und löste damit die schottischen Unabhängigkeitskriege aus.

Nach der 'Schlacht bei Dunbar', bei der die Schotten geschlagen wurden, geriet der schottische König Balliol in Gefangenschaft und wurde im Juli 1296 zur Abdankung gezwungen. Eduard lies Balliol vor sich rufen, riss ihm öffentlich das Wappen -den Lion Rambant vom Mantel, was ihm den Beinamen 'Toom Tabbart' (leere Jacke) einbrachte und sperrte ihn in den Tower of London.
Auf Bitten Papst Bonifatius VIII. wurde Balliol nach mehreren Jahren Arrest unter der Bedingung freigelassen, nach Frankreich ins Exil zu gehen. Als Balliols Gepäck in Dover durchsucht wurde, fand man die königliche Krone, das Siegel des Königreiches Schottland, Gefäße aus Gold und Silber und eine beträchtliche Summe von Geld.
Auf Befehl Eduards wurde die Krone St. Thomas dem Märtyrer angeboten und das Geld Balliol für seine Reiseunkosten zurückgegeben. Das Siegel behielt Eduard für sich selbst.
Da die Abdankung Balliols unter Zwang geschah und damit in den Augen der schottischen Bevölkerung ungültig, wurde er weiterhin als rechtmäßiger König angesehen. Der Anspruch Balliols wurde jedoch fragwürdiger, nachdem er spätestens ab 1302 keine Anstrengungen bei der Unterstützung der Rebellen mehr zeigte.


Balliol starb im November 1314 auf seinem Familiensitz in Hélicourt in Frankreich.
Sein Grab ist nicht sicher bekannt. Ein John de Bailleul wurde in der Kirche von St. Waast at Bailleul-sur-Eaune beigesetzt, welcher der schottische König gewesen sein könnte.
Im Januar 1315 schrieb König Eduard II. von England an König Ludwig X. von Frankreich, dass er von dem Tode Sir John de Balliols gehört habe und forderte die Treue und Huldigung von dessen Sohn Eduard Balliol durch Vollmacht.