Caledonia

Kelten und Römer in Nordbritannien

"Die Gestalt ganz Britanniens haben Livius [...] und Fabius Rectus [...] mit einem länglichen Schlüssel oder einer Doppelaxt verglichen. [...] Der Himmel ist durch häufigen Regen und Nebel verdunkelt; von strenger Kälte weiß man nichts. [...] Ja man versichert, wenn es Wolken nicht verhindern, sehe man während der Nacht den Glanz der Sonne, und sie gehe nicht unter und auf, sondern nur vorüber."

So schrieb Tacitus -ein römischer Historiker und Senator- über Caledonia (lateinisch-keltischer Name Schottlands) in seinem Werk Agricola Kap. 10/12.

Wann und wie viele Kelten nach Schottland kamen, kann durch Archäologie nicht gesagt werden. Man geht aber davon aus, daß die ersten um 500 v.Ch. in Süd- und Südwestschottland siedelten. Anzeichen dafür scheinen der verstärkte Bau von Hill-Forts zu sein. Hügel-Siedlungen, welche mit ausladenden Befestigungswällen umgeben waren. Bekannt sind heute 1.500 solcher Hill-Forts, deren Großteil südlich der Clyde-Firth of Forth-Linie befindet.
Die keltischen Einwanderer hatten aber -so scheint es- kaum Einfluss auf die als Pikten bekannte Bevölkerung im nordöstlichen Schottland und den Highlands. Hier blieben die nacheiszeitlichen, nicht-indoeuropäischen Wurzeln am stärksten bestehen.

Duns, Crannogs und Bochs

Ebenfalls um 500 v.Ch. gelangten die Geheimnisse der Eisenverarbeitung den Norden. Besonderen Einfluss hatte dies auf die Waffentechnik.
Es war auch die Zeit in der die bis dato bronzezeitlichen Rundhäuser zu kleinen Festungen ausgebaut wurden. Ausgehend von ihrem Zentrum in Südwestschottland verbreiteten sich Duns, auf Felskuppen befestigte Häuser. Auf einem runden Grundriss wurden dicke Mauern (ohne Mörtel) errichtet und mit einem Dach versehen.

Crannognachbau am Loch Tay

Eine weitere frühe Form waren Crannogs.
Holzhäuser in Pfahlbauweise, die auf einer künstlichen Insel am Ufer eines Lochs. Trotz der einfachen Bauweise, geht man davon aus, daß sie eher von wohlhabenden Familien bewohnt wurden, da in ihnen häufig Handelswaren aus dem römischen Reich gefunden wurden.

Broch Dun Carloway auf Isle of Lewis

Eine Fortentwicklung -und in Europa einzigartig- der Duns waren die Brochs. Es sind bis zu 15m hohe Rundtürme aus Trockenstein-Mauern mit mehreren Etagen, deren unten dicke Mauern sich nach oben verjüngen. Die Besonderheit liegt bei den doppelten Außenmauern, in denen sich eine Treppe befindet, über die man die oberen Zellen erreichen konnte. Im Erdgeschoß befand sich ein zentraler Raum mit Feuerstelle, von dem sich oft mehrere Kammern abzweigten.
Die einzige Öffnung war die Tür, Fenster gab es keine. Über Aussehen und Material der Dächer ist nichts bekannt.

Hadrianswall bei Greenhead

Vergebliche Versuche

Da es den Römern nicht gelang nach Nordbritannien vorzudringen, wurde Schottland nie romanisiert. Bestenfalls konnten sie in dem Gebiet zwischen Hadrianswall und den Highlands Präsenz zeigen. Gaius Julius Ceasar unternahm 55/54 v.Ch. erste Expeditionen nach Britannien. Unter Kaiser Claudius dauerte es aber nochmals 30 Jahre, die britischen Stämme durch eine Invasion 43 n.Ch. dauerhaft zu befrieden.
Im Jahre 79 n.Ch. unternahm -mit mehreren Feldzügen in die Lowlands- Gnaeus Iulius Agricola einen Vorstoß in den Norden. In seinem Schriften erklärt sein Schwiegersohn Tacitus, warum es den Römern leicht viel die Insel zu erobern.

"Weil es den Stämmen nicht gelang sich gegen den Feind zusammen zu schließen - einzeln konnten sie leicht besiegt werden."

Bis 84 n.Ch. hatten die Stämme nördlich des Flusses Clyde und des Meerarmes Fith of Forth dazu gelernt.
Die Caledonii waren der mächtigste dieser Highland-Stämme. Nach ihnen wurde Nordbritannien durch die Römer Caledonia (hartes Land, Pikten Land) benannt.
Der Piktenfürst Calgacus -der Name ist nur in römischer Form überliefert- führte ein Stammes-Bündnis an und konnte am mons graupius (vermutlich Bennachie) den römischen Truppen 30.000 Krieger entgegenstellen. Eindringlich beschwor er sie gemeinsam gegen die Invasoren für die Freiheit zu Kämpfen, da er verhindern wollte, daß seine Leute zu Sklaven gemacht und ausgebeutet werden, jedoch unterlagen sie der "modernen" Militärtechnik.
Nachdem Agricola durch den Kaiser -er dachte der Erfolg könne ihm politisch schaden- nach Rom zurück beordert wurde zogen sich die römischen Truppen hinter die Tyne-Solway-Linie und befestigten ca. 120 n.Ch. die Grenze mit dem Hadrianswall.

20 Jahre später -um 142 n.Ch.- wurde erneut ein Vorstoß versucht und der Antoninuswall errichtet.
Auch dieses Mal gelang es dem Römischen Imperium nicht, sich dauerhaft einzurichten und ein Frieden mit den Caledonii und Maeatae musste teuer erkauft werden.
Weitere Versuche unter Kaiser Septimius Severus 208-11 n.Ch. und 306 n.Ch. misslangen ebenfalls. Man kam nicht über den Hadrianswall hinaus. Lediglich kleinere Außenposten konnten sich zwischen den beiden Wällen behaupten. Durch vorsichtige Kulturkontakte -die Stämme hatten sich inzwischen an die Römer gewöhnt- entstanden, wohl beeinflusst von römischer Bau- und Zimmermannstechnik, neue architektonische Formen. In Ostschottland entstanden z.B. Wheelhouses, die bis ins 5. Jahrhundert n.Ch. gebaut wurden. Das waren runde Steinhäuser die innen Speichen artige, einzeln mit Trennmauern unterteilte, Kammern aufwiesen.

Es zeigten sich noch mehr Einflüsse.
Die Abgrenzung zwischen den Pikten und den südschottischen Stämmen wuchs, da diese Kontakte zu den Römern hielten. Während die Pikten sich weiterhin mit blauer Farbe bebilderten, legten zweitere nach und nach die Tradition des Tätowierens ab, fühlten sich mehr mit den Walisern verwandt und begannen die Pikten als rückständig zu betrachten.